 Jochen Hemmleb: Nanga Parbat - Das Drama 1970 und die Kontroverse
Wie die Messner-Tragödie zum größten Streitfall in der Alpingeschichte wurde
2010, Verlagsanstalt Tyrolia Innsbruck, ISBN 978-3-7022-3064-7, 232 Seiten
Verlagsinformationen:
Es ist das am häufigsten erzählte und am schärfsten debattierte Bergsteiger-Drama überhaupt: die Geschichte um Reinhold Messner und den Tod seines Bruders Günther 1970 am Nanga Parbat. Eine Tragödie voller Widersprüche, begleitet von Kontroversen, Verdächtigungen und Schuldzuweisungen. Die Öffentlichkeit hat von dieser Geschichte stets nur die medienwirksamen Spitzen wahrgenommen, wie etwa zuletzt den Spielfilm „Nanga Parbat“ von Joseph Vilsmaier. Die eigentlichen Fragen rund um Nanga Parbat 1970 lassen sich damit jedoch nicht wirklich beantworten.
Hatte Reinhold Messner damals die Überschreitung des Berges beabsichtigt? Oder war er auf der anderen Seite des Berges abgestiegen, weil es mit dem höhenkranken Bruder keinen anderen Ausweg gab? Warum hatte Messner nicht eindeutig auf eine Notlage hingewiesen, als zwei andere Expeditionsmitglieder in seiner Nähe vorbeistiegen? Warum hatten diese nicht versucht, ihn zu erreichen? War Günther erst am Wandfuß von einer Eislawine verschüttet worden? Oder war er schon vorher gestorben? Hatte die Expeditionsleitung versagt und versäumt, den verschollenen Messners zu Hilfe zu kommen?
Dokumentarische Spurensuche eines neutralen Beobachters
Jochen Hemmleb greift diese Fragen auf, gibt sich nicht mit einfachen Antworten und medienwirksamer Schwarz-Weiß-Malerei zufrieden – sondern hakt nach: Mit der gebotenen Distanz des unabhängigen Betrachters, mit klarem Blick für die Komplexität der Fakten und mit dem ihm eigenen detektivischen Spürsinn beobachtet und analysiert er die Geschehnisse um die Nanga Parbat Expedition 1970. Er hört die Stimmen aller Beteiligten, deckt Zusammenhänge auf und skizziert Entwicklungen, die die Ereignisse und Protagonisten in einem neuen, differenzierten Licht erscheinen lassen.
Neue Stimmen und unveröffentlichtes Archivmaterial
Erstmals konnte Jochen Hemmleb dabei auch den bekannten Bergfilmer Gerhard Baur für eine ausführliche Stellungnahme zu den Ereignissen gewinnen. In exklusiven Interviews schildert Bauer seine persönlichen Erinnerungen: Er war selbst Mitglied der Expedition 1970 und der Letzte, der Günther Messner sah und mit ihm sprach, bevor dieser sich anschickte, seinem Bruder zum Gipfel zu folgen. Weitere wichtige Puzzleteile zum Verständnis der Kontroverse liefert das sorgfältig recherchierte und teilweise noch unveröffentlichte Archiv- und Bildmaterial aus dem Deutschen Institut für Auslandsforschung - Prof. Dr. Herrligkoffer-Stiftung, welches die Dokumente der Expedition von 1970 bis heute verwaltet.
Ein Fachbuch mit Krimicharakter
So entstand die erste und einzige vollständige und unabhängige Darstellung, wie und warum die Messner-Tragödie zum größten Streitfall in der Alpingeschichte wurde – ein Buch, das unter die Haut geht, packend wie ein Krimi und doch fundiert und akribisch recherchiert wie ein Fachbuch.
Der Autor
JOCHEN HEMMLEB, geb. 1971, Diplom-Geologe, Autor, Vortragsredner und Fachberater im Bereich Alpinhistorik, lebt in Bozen. 1999 und 2001 initiierte und begleitete er die Suchexpeditionen nach Mallory und Irvine am Mount Everest, denen die sensationelle Entdeckung des 1924 verschollenen Himalaya-Pioniers George Mallory gelang. Mehrere Publikationen zu diesem Thema. 2004 führte ihn sein Faible für die historisch-detektivische Spurensuche im Gebirge zum Nanga Parbat.
Bei Tyrolia erschien bereits: „Broad Peak. Traum und Albtraum. Auf den Spuren von Hermann Buhls letzter Expedition“ (2. Aufl. 2008).
Kommentar von Alpinum.at
Das Drama am Nanga Parbat bei dem Günther Messner ums Leben kam beschäftigt nun bereits seit 40 Jahren fast durchgehend die Bergsteigerszene und auch die Gerichte. Unzählige Bücher und Artikel wurden zu den Geschehnissen der letzten Tage vom Juni 1970 veröffentlicht. Neben Reinhold Messner und Karl Herrligkoffer haben auch mehrere Expeditionsteilnehmer in ihren Werken die Vorgänge aus dem jeweils eigenen und persönlichen Blickwinkel dargestellt.
Akkurat analysiert Jochen Hemmleb die Abläufe in jenen Tagen, indem er Bücher, Artikel, Interviews und Tagebuchnotizen miteinander vergleicht. Akribisch untersucht er die von Reinhold Messner herausgegebenen Bücher Die Rote Rakete am Nanga Parbat (1971 bzw. 2010), Der nackte Berg (2002) und Die weiße Einsamkeit (2003) und arbeitet die enthaltenen oder vermeintlichen Ungereimtheiten heraus mit der Erkenntnis:
"Da es inzwischen zu fast jedem strittigen Punkt der Geschichte von Reinhold Messner unterschiedliche Aussagen gibt, kann fast jede seiner Angaben in Frage gestellt werden und sind viele Szenarien des tatsächlichen Geschehens denkbar."
Aber auch die Überlieferungen aller anderen Teilnehmer, deren Tagebucheinträge, Bücher, Briefe, Stellungnahmen, Interviews, Gerichtsgutachten usw. werden ausgewertet, geprüft und auf Plausibilität untersucht. Jochen Hemmleb bringt bei nahezu jedem Antagonismen zu Tage und wirft Fragestellungen auf.
Selbst die 2005 mit höchster Wahrscheinlichkeit entdeckten Überreste des damals 23-jährigen Bruders von Reinhold Messner konnten die bereits 35 Jahre andauernden gegenseitigen Vorwürfe nicht beenden. Die Schuld am Sterben Günther Messners wird wahrscheinlich genauso wenig geklärt werden, wie die Stelle an der er starb bzw. der Unglückshergang.
Jochen Hemmleb liefert uns mit seinem Buch die möglicherweise unabhängigste Zusammenfassung des Dramas von 1970 und der Kontroverse, die bis heute andauert. Geschrieben in gleichem Maße für diejenigen, die sich in irgendeiner Form und von irgendeiner Seite dem Thema in letzter Zeit oder auch schon in den letzten 40 Jahren genähert haben, wie auch für die, die sich nun in die Geschehnisse rund um die Tragödie einklinken wollen.
Informationen zum Autor: Jochen Hemmleb
Informationen zum Buch: Nanga Parbat 1970
Beim Verlag bestellen: Tyrolia Innsbruck
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